Die Q2 spielt Theater

Schreiben wir einen Roman? Nein, zu kompliziert. Ein Märchen! Ein König, nein, ein Kaiser soll vorkommen, ein Prinz, eine Prinzessin – Räuber, Räuber brauchen wir auch und – natürlich: Fußvolk, Menschen, die in dem Königreich leben. Und der Kaiser herrscht und ist autoritär, und die Prinzessin will nicht verheiratet werden, und der Prinz …

So entsteht ein Szenario und am Ende kommt dabei heraus: eine Szenenfolge, zusammengehalten durch vielerlei Figuren, auch solchen, die wir aus Märchen kennen und die miteinander agieren, wie es unseren Vorstellungen von heute entspricht. Hänsel z.B. hat die Hexe längst hinter sich gelassen, die Eltern sind tot, aber Gretl hat sich davon gemacht, Grund genug für ihn, sie zu suchen. Gemeinsam schließlich verwenden sie der Hexe Zaubertränke gegen diese selbst und verwandeln sie in eine gute Fee – so eben, da wird es psychologisch,  kann man die eigenen Ängste überwinden. Der Prinz wiederum widersetzt sich den Verheiratungsplänen seines Vaters nicht – was kommt dabei heraus? Er erhält Rapunzel, die gar keinen Mann will, schon gar keinen Prinzen.

 

Und dann ist da noch die Sache mit den Handtüchern, Requisiten, die in fast jeder Szene auftauchen. Für die einen - junge und irgendwie männerfeindliche Mädchen - sind sie schmückendes Beiwerk, für andere, die auf den besten Coup sinnenden Räuber, sind  sie begehrenswerte, fette Beute. Der Kaiser nimmt sie sich einfach. Alle wollen sie, nicht jeder hat sie. Sind die Handtücher das, was wir begehren, dem wir hinterhereilen, von dem wir meinen, es gehöre zu uns und mache unser Leben reich? Aufgelöst haben die Spieler und Spielerinnen  dieses Rätsel nicht, es stattdessen in vielerlei Szenen variiert, sodass am Ende die Frage um des Rätsels Lösung übrig blieb.

 

Die Schüler/innen des Kurses Darstellendes Spiel aus der Oberstufe haben die Spielszenen erdacht und umgesetzt. Der Applaus in der Premiere und an einem zweiten Abend war ihnen sicher, schließlich brachten sie ihre Figuren mit Tempo, z.T. mächtigem  Stimm- und Körpereinsatz und sicherem Spiel zum Leuchten. Aber das mit den Handtüchern, Requisiten, die so wenig zur Deutung einladen, das bleibt haften… vielleicht löst sich das Rätsel in Nichts auf, wenn wir das Nachjagen aufgeben und den Moment genießen?